PPWR: Was Betriebe über die neue Verpackungsverordnung wissen müssen
Seit 12. August 2026 gilt die EU-Verpackungsverordnung PPWR. Fünf Fragen an Marina Luggauer, Senior Managerin bei KPMG, darüber, wen die Verordnung betrifft, was schon gilt und womit ein Betrieb am besten anfängt.
Frage 1 · Betrifft mich das überhaupt?
Viele Betriebe denken bei der PPWR zuerst an Verpackungshersteller. Woran erkennt ein Hotel, ein Handwerksbetrieb oder ein Händler, ob und in welcher Rolle ihn die Verordnung trifft?
Die PPWR betrifft weit mehr Unternehmen als klassische Verpackungshersteller. Wer Produkte verpackt, unter eigener Marke vertreibt, Versandverpackungen nutzt oder Waren importiert, kann bereits Pflichten aus der Verordnung haben. Entscheidend ist nicht die Branche, sondern die Rolle in der Lieferkette. Deshalb sollte jedes Unternehmen prüfen, welche Verpackungen es verwendet und wer diese erstmals unter welchem Namen in Verkehr bringt.
Frage 2 · Was gilt jetzt schon?
Die PPWR gilt seit 12. August 2026. Was müssen Unternehmen heute schon erfüllen, und was kommt erst in den nächsten Jahren?
Die wichtigste Botschaft lautet: Jetzt ist die Zeit für die Vorbereitung. Viele operative Anforderungen, etwa zu Recyclingfähigkeit, Kennzeichnung oder Rezyklatanteilen, greifen erst schrittweise in den kommenden Jahren. Unternehmen sollten aber bereits heute ihre Verpackungen, Lieferanten und Dokumentationsprozesse analysieren, damit spätere Fristen nicht zur Hürde werden.
Frage 3 · Welche Unterlagen braucht ein Betrieb?
Konformitätserklärung, Herstellerregister, Bevollmächtigter im Ausland: Welche Nachweise muss ein Betrieb selbst führen, und was kann oder muss er von seinen Lieferanten einfordern?
Viele Unternehmen werden künftig stärker auf belastbare Unterlagen ihrer Lieferanten angewiesen sein. Dazu gehören insbesondere Informationen zur Verpackungszusammensetzung und Konformität. Gleichzeitig sollten Unternehmen ihre eigenen Registrierungs- und Dokumentationspflichten prüfen, insbesondere bei grenzüberschreitenden Lieferungen. Wer frühzeitig Transparenz in der Lieferkette schafft, reduziert spätere Haftungs- und Nachweisrisiken.
Frage 4 · Wo scheitern Unternehmen in der Praxis?
Sie begleiten Unternehmen bei der Umsetzung. Welche Punkte werden am häufigsten unterschätzt, und wo sehen Sie die größten Haftungs- oder Lieferrisiken?
Am häufigsten wird unterschätzt, wie komplex die eigene Rolle in der Lieferkette tatsächlich ist. Viele Unternehmen gehen davon aus, dass ihr Verpackungslieferant alle Anforderungen automatisch abdeckt. In der Praxis fehlen jedoch oft die notwendigen Nachweise oder Verantwortlichkeiten sind nicht eindeutig geklärt. Das größte Risiko liegt daher meist nicht in der Verpackung selbst, sondern in der fehlenden Dokumentation.
Frage 5 · Womit fängt man am besten an?
Wenn ein kleiner oder mittlerer Betrieb nach diesem Interview nur einen Schritt setzt: Welcher sollte das sein? Und wo liegt neben der Pflicht auch ein wirtschaftlicher Vorteil, etwa bei den Verpackungskosten?
Der erste Schritt sollte ein einfacher Verpackungscheck sein: Welche Verpackungen verwenden wir, woher kommen sie und welche Unterlagen liegen bereits vor? Wer hier für Transparenz sorgt, erkennt die größten Handlungsfelder meist sehr schnell. Gleichzeitig bietet die PPWR eine Chance, Verpackungen zu optimieren, Material einzusparen und damit langfristig auch Kosten zu senken. Weniger Verpackung ist oft nicht nur nachhaltiger, sondern auch wirtschaftlicher.
