27.07.21

Die Mission von Cornelia Daniel, GF von Dachgold in Wien, ist eindeutig und kommt nicht von ungefähr, denn Photovoltaik wird immer beliebter. Im Interview erklärt DANIEL, warum.

Die Firma Dachgold e.U. mit Hauptsitz in Wien wurde 2011 von Cornelia Daniel gegründet und ist Full-Service-Anbieter im Solarbereich. Gemeinsam mit ihrem Team unterstützt die studierte Betriebswirtin Kunden bei der Umsetzung von PV-Projekten. Denn Photovoltaik (PV) als klima- und umweltfreundlicher Sonnenstrom wird immer beliebter und so lautet die Mission von Dachgold: Auf jedem Unternehmensdach eine Solaranlage!

Im Interview mit umwelt service salzburg erklärt Cornelia Daniel unter anderem, warum PV heute nicht mehr nur ökologisch freiwillig umgesetzt wird, sondern schon bald ökonomisch notwendig ist.

Photovoltaik war einst die teuerste Energiequelle der Welt - das hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Was waren und sind die Gründe dafür?
Das hängt mit mehreren Faktoren zusammen. Zum einen wurde die Technologie, der Herstellungsprozess von Solarmodulen, laufend verbessert, wodurch die Kosten reduziert werden konnten. Zudem wird heute in viel größeren Mengen produziert, als dies vor 20 Jahren der Fall war. Und außerdem gibt es gerade im Energiesektor viele marktverzerrende Mechanismen. Denn wären fossile Energieträger in den meisten Ländern nicht so stark subventioniert, hätten sie schon lange keine Chance mehr, am Markt zu bestehen. Obwohl es diese Subventionen immer noch gibt, handelt es sich bei PV bereits um die günstigste Energieform der Welt. Auch in Österreich ist dies der Fall.

Eine Reduktion der Stromkosten von bis zu 30 Prozent - das ermöglicht eine PV-Anlage auf dem Betriebsdach. Für welche Unternehmen lohnt sich diese Anschaffung, für welche nicht?
Das lässt sich schwer verallgemeinern. Auch in diesem Zusammenhang gibt es einige Parameter, die man beachten muss: Wie viel Strom verbrauche ich? Wie dimensionieren ich die Anlage? Welchen Strompreis muss ich meinem Anbieter zahlen? Wie viele Sonnenstunden pro Jahr sind realistisch? Sie sehen, da spielt vieles mit hinein. Grundsätzlich kann man festhalten, dass sich eine PV-Anlage für fast jedes Unternehmen lohnt, unabhängig von Größe und Zweck. Betriebe sollen ein Dach über 100 Quadratmeter haben, welches noch 30 bis 40 Jahre hält, und davon ausgehen, dass sie zumindest die nächsten zehn Jahre am Markt bestehen werden können. Unsere Kunden sind daher fast immer die erfolgreichen Unternehmen einer Branche und nicht nur einer bestimmten Branche per se zuzuordnen.

Und diese Angaben gelten für Produktions- und Dienstleistungsbetriebe?
Natürlich kann ein produzierender Betrieb untertags mit einer großen PV-Anlage dementsprechend viel Strom im eigenen Betrieb nutzen. Doch wir haben auch viele Kunden aus dem Dienstleistungssektor, die mit uns kleinere Anlagen errichtet haben - und auch das zahlt sich aus. Denn wie gesagt: Keine Form der Energie ist hinsichtlich der Gestehungskosten, also wie viel die Produktion einer Kilowattstunde kostet, so günstig wie Photovoltaik. Zudem sind die Kosten über die gesamte Lebensdauer, die immerhin um die 30 Jahre beträgt, fix kalkulierbar.

Die Errichtung einer PV-Anlage wird in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich gefördert, ergänzend zu einheitlichen Bundesförderungen. Im Bundesland Salzburg gibt es seit kurzem keine zusätzliche Landesförderung mehr für PV-Anlagen. Wenn die Förderung wegfällt - welche Argumente sprechen trotzdem für PV?
Würde es die hohen Subventionen im fossilen Sektor nicht mehr geben, bräuchte man auch auf Bundesebene die vergleichsweise geringen Förderungen für Photovoltaik nicht mehr. Außerdem deuten sowohl in Österreich als auch auf europäischer Ebene viele Zeichen in Richtung Klima- und Umweltschutz. Energieintensive Produkte werden teurer - dies wird sich auch auf den Energiemarkt auswirken. Neben all den finanziellen Gründen sollte die Kernidee des Umweltschutzes nicht vergessen werden.

"Die Photovoltaik macht es möglich, dass tatsächlich "jede Person" ihren Beitrag leisten kann. War früher eine Investition in Umwelttechnologien noch "ökologische Freiwilligkeit", wird es künftig zur "ökonomischen Notwendigkeit".

Photovoltaik wird immer beliebter und die Angebote werden vielseitiger. Wie wird sich das in der Zukunft entwickeln? Wird jeder, der in den nächsten Jahren bauen möchte, auch eine PV-Anlage auf dem Dach erreichten können?
Alles deutet darauf hin, dass Photovoltaik in den nächsten Jahren noch stärker ausgebaut wird. Wichtig ist es jetzt schnell zu sein, denn der Engpass wird in Zukunft nicht mehr die Förderung sein, sondern die Netzkapazitäten. Wer in den nächsten Jahren bauen möchte, sollte sich rasch einen Zählpunkt sichern. Denn es wird nicht jeder, der eine PV-Anlage haben möchte, eine Netzzusage bekommen. Vor allem nicht, wenn der markt weiter so anzieht, wie sich das jetzt andeutet. Im Burgenland zB gibt es diesbezüglich gerade massive Probleme. Es dürfen keine Anlagen gebaut werden, die mehr als 20 kWp haben. Hier gibt es sehr großen Handlungsbedarf.

Die finanzielle Amortisation einer betrieblichen PV-Anlage schwankt, je nach Größe und Art der Finanzierung, zwischen acht und zwölf Jahren. Inwieweit lässt sich diese Amortisationszeit mit anderen betrieblichen Umweltinvestitionen vergleichen? Und welche weiteren Kennzahlen und Berechnungen sind relevant, wenn Betriebe überlegen, in eine PV-Anlage zu investieren?
Die wichtigste Kennzahl in diesem Zusammenhang sind für mich die bereits erwähnten Stromgestehungskosten. Als solche bezeichnet man jene Kosten, die sich ergeben, wenn man die Investitionskosten der Anlage durch die produzierten Kilowattstunden über die Laufzeit dividiert. Nimmt man nun Kohlekraftwerke her, amortisieren sich diese im Endeffekt nie. Denn man muss immer wieder Energie zuführen, um Strom zu erzeugen. In diesem Zusammenhang fällt öfter der Ausdruck "externe Kosten". Damit sind jene Kosten gemeint, die beispielsweise durch Verschmutzungen und Emissionen anfallen, die aber nicht im Preis enthalten sind. Ähnliches gilt für alle fossilen Energieträger.

Bevor sich ein Unternehmen dafür entschließt, eine Photovoltaikanlagen auf dem eigenen Dach errichten zu lassen, gehören einige Dinge geklärt. Was genau muss im Vorhinein bedacht sowie geplant werden?
Bevor Betriebe in eine Photovoltaikanlage investieren, braucht es unbedingt eine genaue Analyse der Ist-Situation pro kWh, wie viel Dachfläche steht zur Verfügung und ist diese für den Aufbau einer PV-Anlage geeignet, potentielle Dimensionierung der Anlage sowie die erwartbare Stromerzeugung. Das alles können wir in unserem Quick-Check und der Detailanalyse erheben. Prinzipiell gilt die Faustregel: 1kWp verbaute Leistung erzeugt 1.000 kWh Strom und kosten bei Gewerbeanlagen ca. 1.000 Euro/kWp, bei Großanlagen liegen die Kosten schon deutlich darunter. Der Platzbedarf pro kWp liegt je nach Modulleistung bei 3-4 Modulen pro kWp und ein Modul braucht 1,6 Quadratmeter Fläche.

Österreich soll bis 2030 durch 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energieträgern versorgt werden. Die Basis dafür ist das EAG, das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz. Was ist von diesem zu erwarten, inwieweit beeinflusst es Planung und Installation einer betrieblichen PV-Anlage?
Wenn das EAG so kommt wie derzeit geplant, ist das ein riesiger Wurf. Die jährlich installierte Leistung soll von 300 MWp auf 1.100 MWp angeschoben werden und die Fördertöpfe sind monetär nicht mehr limitiert. In Zukunft wird man sich entscheiden können, ob man einen Investitionszuschuss braucht, zum Beispiel weil man ohnehin den ganzen Strom selbst verbraucht. Oder ob eine Marktprämie für den eingespeisten Strom nötig ist, weil das Dach größer ist als der verbrauchte Strom. Leider ist noch unklar, wie hoch die Tarife ausfallen werden, weil die Tarife auktioniert werden sollen. Wer also weniger Förderung braucht, kommt zuerst dran. Jene, die mehr Förderung aufgrund schwieriger Gegebenheiten brauchen, können um einen höheren Tarif ansuchen. Die Förderung wird so lange ausgeschüttet, bis 1.100 MWp erreicht sind. Es kommen jedenfalls spannende Zeiten auf uns zu und es ist jetzt wichtiger denn je, mit der Projektierung zu beginnen. Denn nur fertig entwickelte Projekte können an der Auktion teilnehmen. Hier ist auch wieder das Thema Zählpunkt relevant, denn jetzt sollte man sich den Netzzugang sichern. Wir machen all das für unsere Kunden, weil das alleine fast nicht zu stemmen ist.

Alles in allem bringt eine betriebliche PV-Anlage viele Vorteile. Was hindert manche Unternehmer trotzdem daran, zu investieren? Wie kann man sie überzeugen?
Tatsächlich sind das große Hindernis Zeit und Wissen. Das eine hängt direkt mit dem anderen zusammen. Ich erlebe es oft nach einer Präsentation, dass ein Unternehmer sagt: Warum macht das dann nicht jeder? Ich antworte darauf mittlerweile: Aus demselben Grund wie Sie, Sie hatten bisher nicht die Zeit, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wir merken auch, dass die vermehrte Kommunikation der Regierung zu dem Thema stets einen sehr positiven Einfluss hat.  Die Politik hat hier also auch eine ganz wichtige Kommunikationsaufgabe.
Viele wissen einfach nicht, welche Möglichkeiten es mittlerweile gibt. Auch jetzt gibt es für Anlagen bis 50 kWp noch Förderungen. Um dem Thema Zeitnot entgegenzuwirken, haben wir einen sehr schnellen Prozess entwickelt und können in zwei Einheiten in jeweils 1,5 Stunden die Projekte fertig planen sowie berechnen. Ein weiterer Hinderungsgrund ist oftmals die Zukunftsangst. Wenn Unternehmen nicht wissen, ob sie das nächste Jahr überleben, investieren sie natürlich nicht. Deshalb sind unsere Kunden auch jene, die auch positiv in die Zukunft blicken.

Der geförderte Photovoltaik-Check von umwelt service salzburg klärt Fragen und informiert
umwelt service salzburg bietet einen geförderten PV-Check für Betriebe, bei dem in maximal 14 Stunden alles Relevante rund um betriebliche Photovoltaik beleuchtet wird: Nutzung, Auswirkung, Größe, Effizienz, möglicher Energieverbrauch etc. Dadurch lassen sich Fragen zu einer betrieblichen PV-Anlage klären und Unternehmer erhalten Klarheit über Belegungsgröße, Eigenverbrauche, Speicher sowie die Verwendung von umweltfreundlichem Sonnenstrom für E-Mobilität. Im Zuge der Beratung gibt es außerdem einen Überblick an möglichen Investitionsförderungen und weiteren geförderten Umweltberatungen durch das umwelt service salzburg.