07.05.21

Neben Mobilität und PV rücken Abfallwirtschaft und -vermeidung immer mehr in den Fokus. Astrid Lamprechter, GF GWS, spricht im Interview über Maßnahmen in ihrem Unternehmen und die Vorteile einer Abfallberatung.

Rund um Abfall und Recycling haben Sie in der Geschützte Werkstätten Integrative Betriebe Salzburg GmbH, kurz GWS, schon viel umgesetzt. Welche konkreten Maßnahmen waren es, mit denen sie positive Effekte für Umwelt und Klima, aber auch für Ihren Betrieb erreichen konnten?
Ich bin immer wieder überrascht davon, wie stark sich viele, kleine Maßnahmen und Änderungen bei Abfallwirtschaft und Recycling auswirken. Konkret waren das zum Beispiel ein Farbleitsystem für Abfalltrennung und -vermeidung, die einheitliche Vorsammlung für Papier und Restabfall, zusätzliche Container für PET und Verbundkarton, Batteriesammelboxen und auch die Einschulungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Dadurch konnten wir die Restmüllmenge in der GWS um 14 Prozent verringern. Das sind jährlich rund 15 Tonnen Restabfall weniger, somit sparen wir ca. 5.000,- Euro an Entsorgungsgebühr.

Abfall und Recycling ist ein Teilbereich des betrieblichen Klima- und Umweltschutzes. Oft wird dabei auch von Nachhaltigkeit gesprochen. Wie definieren Sie diesen Begriff für Ihr Unternehmen?
Nachhaltigkeit ist seit vielen Jahren etwas, das uns in der GWS sehr beschäftigt und uns am Herzen liegt. Dabei bleiben wir aber nicht in der engen Definition von ökologischen, energetischen Themen. Vielmehr betrifft Nachhaltigkeit in unserer Unternehmensphilosophie das gesamte unternehmerische Handeln. 2019 sind wir noch einen Schritt weiter gegangen und haben unsere eigene Nachhaltigkeitsmarke „Lieber Wieder“ entwickelt, die schlussendlich im März 2021 gelauncht wurde. Der Gedanke dieser Marke ist geprägt vom Dreiklang aus größtmöglichem Wert für Mensch, Natur und Region. Und genau diese Definition spiegelt unsere Auffassung und unser Verständnis von Nachhaltigkeit am besten.

Diesem Verständnis von Nachhaltigkeit entsprechend, hat es sich die GWS zur Aufgabe gemacht, aktiv zum Klima- und Umweltschutz beizutragen. Experten von umwelt service salzburg beraten Sie dabei und gemeinsam haben Sie bereits viele Maßnahmen umgesetzt. Worin sehen Sie die Vorteile dieser Zusammenarbeit?
Ein Vorteil für mich ist in erster Linie ganz klar das Netzwerk an Experten, zu dem wir Zugang bekommen haben. Die Expertise der Berater eröffnet den Blick auf Dinge, die man vorher vielleicht gar nicht auf dem Radar hatte. Gemeinsam werden Maßnahmen erarbeitet, die genau zu unserem Unternehmen passen und größtmögliche Effekte erzielen. Am Ende dieser Zusammenarbeit steht immer eine Auflistung von Punkten, die wir umsetzen können. Diese konkreten Pläne und Maßnahmen müssen keine riesen Sprünge sein, die man geht oder Meilensteine, die man umsetzt – viel entscheidender ist jedes einzelne, noch so kleine Resultat, das konkret, greifbar und vor allem sichtbar ist.

Die GWS ist ein Betrieb, der viel Wert auf seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter legt. Wie haben Sie es geschafft, sie für Abfallmaßnahmen zu motivieren?
Unser Ziel ist es, auch unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so viel wie möglich in unsere Nachhaltigkeitsphilosophie miteinzubeziehen. Um konkret zu werden: Wenn wir von E-Mobilität sprechen, interessiert es uns, wie unsere Mitarbeiter ihren Arbeitsweg zurücklegen. Wenn wir von Mülltrennungssystemen sprechen, dann beginnt das in unseren Büros. Und wenn wir von Verpackungseinsparungen reden, dann starten wir damit in unserer hauseigenen Kantine. Dadurch werden unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrem Arbeitsalltag laufend mit Klima- und Umweltschutz konfrontiert. Eine Motivation dafür ist dann meistens gar nicht mehr nötig. Natürlich gibt es überall Gegenstimmen und kritische Positionen, aber unterm Strich verfolgen wir alle quer durch die Hierarchien dasselbe Ziel: Unsere betriebliche Verantwortung wahrzunehmen und unseren Beitrag für Mensch, Umwelt und Region zu leisten.

Durch Ihr Engagement für Klima und Umwelt übernimmt Ihr Unternehmen auch eine Vorbildrolle für andere Unternehmen, egal in welcher Größenordnung. Was würden Sie anderen Betrieben mit auf den Weg geben, wenn sie aktiv werden möchten?
Ich denke, es kommt nicht darauf an, von heute auf morgen alles zu verändern. Schritt für Schritt mit realistischen Zielen und Etappen – das ist der Weg, der für uns funktioniert hat und der Weg, der uns jetzt die positiven Effekte und Erfolge sehen lässt. Jedes Unternehmen, das einen Beitrag leisten möchte, sollte das in seinem Tempo tun, sich realistische Ziele setzen und dort ansetzen, wo Auswirkungen relativ schnell sichtbar werden. Das gelingt besonders leicht beim Thema Abfall und Recycling, wie zum Beispiel die Reduktion von Restmüll, durch die man eins zu eins und sehr rasch bares Geld spart.

Analyse, Beratung, Ziele – Abfall- & Recycling-Check von umwelt service salzburg
Um den Prozess von der ersten Analyse bis hin zu effektiven Maßnahmenvorschlägen für Unternehmen greifbar und realisierbar zu machen, bietet umwelt service salzburg das Beratungsmodul „Abfall- und Recycling-Check“. Auf Basis einer Ist-Analyse erhalten Unternehmer konkrete Vorschläge zur qualitativen und quantitativen Abfallvermeidung im Betrieb.