Astrid Lamprechter, GF Geschützte Werkstätten Salzburg, spricht über die Vorteile einer Abfall- und Recyclingberatung und worauf es für sie in einem nachhaltigen Unternehmen ankommt

Neben Mobilität und Photovoltaik rücken Abfallwirtschaft und -vermeidung immer mehr in den Fokus von betrieblichem Umwelt- und Klimaschutz. Astrid Lamprechter, Geschäftsführerin der Geschützte Werkstätten Integrative Betriebe Salzburg (GWS), spricht im Interview über Maßnahmen in ihrem Unternehmen und die Vorteile einer Abfall- und Recyclingberatung.

Abfall und Recycling ist ein Teilbereich des betrieblichen Klima- und Umweltschutzes. Oft wird dabei auch von Nachhaltigkeit gesprochen. Wie definieren Sie diesen Begriff für Ihr Unternehmen?
Nachhaltigkeit ist seit vielen Jahren etwas, das uns in der GWS sehr beschäftigt und uns am Herzen liegt. Dabei bleiben wir aber nicht in der engen Definition von ökologischen, energetischen Themen. Vielmehr betrifft Nachhaltigkeit in unserer Unternehmensphilosophie das gesamte unternehmerische Handeln. Der Nachhaltigkeitsgedanke der GWS ist geprägt vom Dreiklang aus größtmöglichem Wert für Mensch, Natur und Region – den wir in allen Unternehmensebenen leben.

Gerade im Bereich Abfall und Recycling haben Sie in der GWS schon viel umgesetzt. Welche konkreten Maßnahmen waren es, mit denen sie positive Effekte für Umwelt und Klima, aber auch für Ihren Betrieb erreichen konnten?
Ich bin immer wieder überrascht davon, wie stark sich viele, kleine Maßnahmen und Änderungen bei Abfallwirtschaft und Recycling auswirken. Konkret waren das zum Beispiel ein Farbleitsystem für Abfalltrennung und -vermeidung, die einheitliche Vorsammlung für Papier und Restabfall, zusätzliche Container für PET und Verbundkarton, Batteriesammelboxen und auch die Einschulungen von Mitarbeitern. Dadurch konnten wir die Restmüllmenge in der GWS um 14 Prozent verringern. Das sind jährlich rund 15 Tonnen Restabfall weniger, somit sparen wir ca. 5.000,- Euro an Entsorgungsgebühr.

Die GWS ist ein Betrieb, der viel Wert auf seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter legt. Wie werden sie in die Nachhaltigkeitsphilosophie des Unternehmens miteinbezogen?
Der Grundsatz ist, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter miteinzubeziehen, wo es nur geht. Wenn man so will, steht und fällt es mit ihnen. Um konkret zu werden: wenn wir beispielsweise von E-Mobilität sprechen, dann interessiert uns nicht nur der Firmenfuhrpark, sondern auch, wie unsere Mitarbeiter ihren Arbeitsweg zurücklegen und welche umwelt- und klimafreundlicheren Lösungen es dafür geben könnte.

Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter speziell rund um die Themen Abfallvermeidung und Recycling? Und wie werden die Maßnahmen angenommen?
Auch beim Thema Abfall handhaben wir es so, dass wir auf viele, kleine Maßnahmen mit großer Wirkung setzen und diese in unseren Arbeitsalltag integrieren. Wie etwas das Farbleitsystem für Abfalltrennung und -vermeidung, die einheitliche Vorsammlung für Papier und Restabfall oder die Batteriesammelboxen. Dadurch werden unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter laufend mit Klima- und Umweltschutz konfrontiert. Eine Motivation dafür ist dann meistens gar nicht mehr nötig. Natürlich gibt es überall Gegenstimmen und kritische Positionen, aber unterm Strich verfolgen wir alle quer durch die Hierarchien dasselbe Ziel: Unsere betriebliche Verantwortung wahrzunehmen und unseren Beitrag für Mensch, Umwelt und Region zu leisten.

Ein sehr wirkungsvoller Aspekt von Abfallvermeidung ist das Einsparen von Verpackungsmaterial. Wo haben Sie in der GWS da bereits angesetzt?
Wir arbeiten bei all unseren Produkten laufend daran, Abfall und Verpackungsmaterial zu reduzieren, und wo nicht nötig, zu vermeiden. Die Etiketten unserer „Lieber Wieder“-T-Shirts sind beispielsweise aus Seed paper – also Samen, aus denen Margeriten werden, wenn man sie einpflanzt. Klassisches Geschenkpapier haben wir ersetzt durch Tücher, eine sehr schöne und nachhaltige Idee aus Japan. Und im Produktionsbereich umwickeln wir jetzt soweit möglich Paletten mit Papier anstelle von Plastik und setzen kreislauffähige, ökologische Verpackungen, wie Graskartons, ein. Das mögen zwar alles nur minimale Maßnahmen sein, aber in Summe bewirken auch viele kleine Veränderungen Positives.

Die GWS hat eine hauseigene Kantine, in der ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter essen können, liefert Essen aber auch an andere Betriebe. Welche Möglichkeiten gibt es in diesem Bereich, nachhaltiger zu handeln?
Wir haben den Nachhaltigkeitsfokus im letzten Jahr ganz bewusst auf unsere Betriebskantine gelegt, weil dahinter großes Einsparungspotenzial steckt. Angefangen beim bewussten Einkauf von Lebensmitteln, über das Vermeiden von Lebensmittelverschwendung bis eben hin zur Abfallvermeidung. Wir konnten beispielsweise mit unserem Online-Bestellsystem die Anzahl der nicht in Anspruch genommen Mahlzeiten stark reduzieren. Viele Möglichkeiten gibt es vor allem bei den Verpackungsalternativen. Die Corona-Situation und die damit verbundenen Hygienemaßnahmen erschweren es derzeit leider, die Mahlzeiten möglichst nachhaltig zu verpacken, weil alles einzeln verpackt sein muss. Aber auch hier arbeiten wir daran, eine umweltschonendere Lösung zu finden.

Auf ihrem Weg, aktiv zum Klima- und Umweltschutz beizutragen, wurde und wird die GWS von Experten von umwelt service salzburg beraten. Worin sehen Sie die Vorteile dieser Zusammenarbeit?
Ein Vorteil für mich ist in erster Linie ganz klar das Netzwerk an Experten, zu dem wir Zugang bekommen haben. Die Expertise der Berater eröffnet den Blick auf Dinge, die man vorher vielleicht gar nicht auf dem Radar hatte. Gemeinsam werden Maßnahmen erarbeitet, die genau zu unserem Unternehmen passen und größtmögliche Effekte erzielen. Am Ende dieser Zusammenarbeit steht immer eine Auflistung von Punkten, die wir umsetzen können. Das müssen keine Meilensteine sein – entscheidend ist, dass Resultate konkret, greifbar und sichtbar werden.

Durch Ihr Engagement für Klima und Umwelt übernimmt Ihr Unternehmen auch eine Vorbildrolle für andere Unternehmen, egal in welcher Größenordnung. Was würden Sie anderen Betrieben mit auf den Weg geben, wenn sie aktiv werden möchten?
Ich denke, es kommt nicht darauf an, von heute auf morgen alles zu verändern. Schritt für Schritt mit realistischen Zielen und Etappen – das ist der Weg, der für uns funktioniert hat und der Weg, der uns jetzt die positiven Effekte und Erfolge sehen lässt. Jedes Unternehmen, das einen Beitrag leisten möchte, sollte das in seinem Tempo tun, sich realistische Ziele setzen und dort ansetzen, wo Auswirkungen relativ schnell sichtbar werden. Das gelingt besonders leicht beim Thema Abfall und Recycling, wie zum Beispiel die Reduktion von Restmüll, durch die man eins zu eins und sehr rasch bares Geld spart.